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Tag Archives: Minarett-Initiative

  1. Auch das Minarettverbot gilt nicht absolut

    Das jüngste Gerichtsurteil zur Ausschaffungsinitiative hat auch Folgen für andere Verfassungsartikel. Gemäss Erwägungen der Richter kann auch das Minarettverbot nicht absolut gelten. »

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  2. Taktik oder Political Correctness?

    “Kein Gesetz ist per se gerecht, es braucht immer die Beziehung zum Einzelfall, da braucht es die richterliche Vernunft, den Sinn für Angemessenheit.” Ein Interview mit dem Philosoph Georg Kohler über Gerichtsurteile, aktuelle Politik und Gerechtigkeit.

    Mehr beim: Tagesanzeiger

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  3. Etude: religion, Etat et société

    Au cours des dernières années, une schématisation consistant à présenter les musulmans comme un danger pour la Suisse s’est opérée. Une étude du Programme national de recherche «Collectivités religieuses, Etat et société» (PNR 58) a mis en évidence trois raisons à cette évolution: les attentats terroristes à l’étranger, le calcul politique des partis populistes de droite, ainsi que la tendance des médias à la polarisation et à la généralisation.

    FNS: PNR 58, rapport final

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  4. Vox-Analyse zur Minarett-Abstimmung: Befürworter wollten Zeichen setzen

    Mit dem Ja zur Minarettverbots-Initiative wollten die Stimmbürger ein symbolisches Zeichen gegen die Verbreitung des Islams in der Schweiz setzen. Die VOX-Analyse zeigt aber auch, dass die Zustimmung zum Minarettverbot keine generelle Ablehnung der Muslime in der Schweiz ist. Neben dem Links-Rechts-Gegensatz waren auch unterschiedliche Werteeinstellungen entscheidend für das Stimmverhalten bei der Minarett-Abstimmung.

    Mehr beim Institut für Politikwissenschaft Bern

    Interview mit Adrian Vatter (Tagesgespräch DRS 1)

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  5. Minarets: Menaces sur la Suisse des bons offices

    Après le vote sur l’interdiction des minarets, la Suisse a perdu une partie de sa crédibilité internationale. Ses offres de médiation aux pays en guerre risquent de rester lettre morte, tout comme ses propositions en faveur des droits humains, affirment plusieurs experts. Regards croisés.

    Lire plus Swissinfo

    Après la votation / Nach der Abstimmung

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  6. “Eine schwache Gesellschaft braucht ein Feindbild”

    Ein Interview mit dem Tessiner Ständerat Dick Marty aus Anlass des Internationalen Tags der Menschenrechte. Marty ist auch Abgeordneter im Europarat.

    Interview bei Swissinfo

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  7. Reaktionen zur Minarett-Abstimmung

    Minarets: Menaces sur la Suisse des bons offices

    Après le vote sur l’interdiction des minarets, la Suisse a perdu une partie de sa crédibilité internationale. Ses offres de médiation aux pays en guerre risquent de rester lettre morte, tout comme ses propositions en faveur des droits humains, affirment plusieurs experts. Regards croisés.

    Lire plus Swissinfo

    Vorwärts, weiter nach rechts

    Die Schweizer Rechte bläst zur konservativen Revolution: Die Sieger des Minarett-Entscheids wollen nun die ganze Schweiz umkrempeln. Ein kurzes Triumphgeheul konnten sich die Delegierten der Schweizerischen Volkspartei (SVP) nicht verkneifen, als sie sich am Wochenende in Pfäffikon am Zürichsee versammelten. Ihr überraschender Sieg bei der Anti-Minarett-Initiative hat Europa aufgewühlt, hat Anhänger begeistert und Gegner erschüttert. Doch die Parteispitze beließ es bei einigen bösen Bemerkungen über die Regierung, die nichts Besseres zu tun habe, als sich nun im Ausland “für das eigene Volk zu entschuldigen”. Doch dann machte sie klar, dass sie sich durchaus nicht auf ihren Lorbeeren auszuruhen gedenkt. Vielmehr bläst die Schweizer Rechte nun vollends zur konservativen Revolution, zum Generalangriff auf liberale und emanzipatorische Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte.

    Mehr bei der Süddeutschen

    Une Cour constitutionnelle pour l’après-minarets

    Après le triomphe de la plus irrationnelle des initiatives populaires, il convient d’essayer de ramener la raison au milieu de nos villes et villages. La tâche se révèle des plus ardues, tant l’émotivité devient le principal moteur des choix politiques. En Suisse. Et ailleurs. A preuve, l’avalanche de messages soutenant l’interdiction des minarets rédigés par des internautes français et allemands, entre autres.
    A cet égard, il s’est établi entre le secret de l’isoloir et l’anonymat des cyberdébats, une sorte d’alliance des islamophobes anonymes.

    Lire plus Tribune de Genève

    Nach dem Minarett-Verbot: Darbellay auf Kreuzzug

    Noch während die SVP am Sonntag ihren Sieg feierte, brachte CVP-Parteipräsident Christophe Darbellay das von ihm seit Jahren geforderte Burkaverbot wieder auf den Tisch. Zwei Tage später sprach er sich gegenüber dem Aargauer Privatfernsehen Tele M1 für ein Verbot separater muslimischer und jüdischer Friedhöfe aus. Wo es schon solche gebe, könne man diese zwar belassen. In Zukunft sollen aber keine Ausnahmen mehr gemacht werden.

    Mehr beim Tagesanzeiger

    Minarett-Verbot Top-Thema in Europaausgaben türkischer Zeitungen

    In den Europaausgaben türkischer Tageszeitungen ist das Ergebnis der Volksabstimmung in der Schweiz zum Minarett-Verbot Top-Thema. Zahlreiche Nachrichten, Berichte, Stimmen und Kommentare aus dem In- und Ausland füllen nahezu sämtliche Europabeilagen.

    Presseschau bei Migazin

    Les Français opposés à un référendum sur les minarets et à la construction de mosquées

    Le résultat du référendum suisse sur les minarets n’en finit pas de faire des vagues en France. Et de souligner les contradictions de l’opinion. L’organisation d’un référendum sur l’interdiction de construire des minarets serait une mauvaise chose pour 54 % des Français, indique un sondage BVA pour Canal+, jeudi 3 décembre. Les réponses diffèrent selon la couleur politique des sondés : 61 % des sympathisants de droite approuvent l’idée d’un référendum, contre 31 % parmi les sympathisants de gauche.

    Lire Plus Le Monde

    Zeichen setzen

    “Ein Zeichen sollte hier gesetzt werden, ein Zeichen der Verbockung, im doppelten Sinne: einen Fehler begehen, einen Missgriff tun, und sich dafür weder entschuldigen noch zur Rechenschaft ziehen lassen, sondern den Fehler fortsetzen, selbstbewusst und unbelehrbar. Die plötzlich so offensichtliche Fremdenfeindlichkeit in der Schweiz trägt fundamentalistische Züge. Denn sie ist, eben weil sie so demonstrativ, so ganz bild- und symbolorientiert daherkommt (man denke nur an das Plakat mit den raketengleichen Minaretten und den dunkel drohenden Augen unter der Burka), von einem tiefen Zweifel an sich selbst getragen – einem Zweifel, gegen den man sich durch die Tat immunisieren will: endlich einmal eine schlechte Zensur wagen.”

    Mehr bei der Süddeutschen

    Les urnes suisses contre les exigences de Bruxelles

    La démocratie directe reste, en l’état, l’obstacle majeur à une future intégration de la Confédération dans l’Union européenne. La votation sur les minarets le prouve. Et l’opposition qu’elle rencontre à Bruxelles ne va faire qu’accroître ce fossé.

    Lire plus Le Temps

    Schweizer Minarett-Verbot – Wohin treibt Europa?

    Was die Regierung in Bern befürchtete und in Europa mit Spannung verfolgt wurde, ist doch eingetreten.  Die Schweizer haben bei einem Referendum das Minarett-Verbot mehrheitlich unterstützt.  Für den einzigen Staat mit direkter Demokratie in Europa – das heißt mit Volksabstimmungen bei wichtigen Fragen – war die Beteiligung am „Minarett-Volksentscheid” relativ niedrig: 53 Prozent. Aber die ausgelöste Welle wird über ganz Europa rollen.

    Mehr bei der Baltischen Rundschau

    Der kleine Turm, der die Schweiz isolieren könnte

    Bisher war es ein lokaler baurechtlicher Streit. Nach dem Ja zum Minarett-Verbot zeichnet sich um das in Langenthal geplante Minarett ein internationaler Konflikt ab. Der Europäische Gerichtshof könnte die Schweiz zwingen, das Verbot aufzuheben.

    Mehr bei swissinfo

    Der unsichtbare Islam

    Eigentlich wollte Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening eine Moscheerundfahrt für Medienvertreter machen, um endlich einmal ohne Anlass und öffentliche Unruhe über Muslime in Berlin zu informieren. Doch daraus wurde nichts. Die Aufklärungsreise am Dienstag, bei der rund 60 internationale Journalisten auf Senatskosten zu Moscheevereinen quer durch die Stadt gefahren wurden, kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die Öffentlichkeit nichts mehr beschäftigt als das Verhältnis der Europäer zum Islam.

    Mehr beim Tagesspiegel

    Wähle das absurdeste Anti-Minarett-Argument bei Substanz

    Europe unites to deplore Swiss ban on minarets

    Swiss officials, media and business leaders voiced shame over a vote that they say will stigmatise the country’s 400,000 Muslims and stain Switzerland’s name in the Muslim world. In contrast, hard right leaders in France, Austria, Italy and the Netherlands hailed what they depicted as a triumph for the people against the elite.

    For more see TimesOnline

    Erdogan: Schweizer Votum ist Zeichen von “Faschismus”

    Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat das Bauverbot von Minaretten in der Schweiz als Zeichen einer “zunehmenden rassistischen und faschistischen Haltung in Europa” kritisiert. Die Außenministerin der Schweiz sieht die innere Sicherheit des Landes gefährdet.

    Mehr beim Tagesspiegel

    L’avis des instances internationales

    Pour Navi Pillay, haut commissaire de l’ONU aux droits de l’homme, il n’y a aucun doute: l’interdiction des minarets votée dimanche est «clairement discriminatoire», indique-t-elle dans un communiqué publié hier.

    Lire plus Le Nouvelliste

    Middle East press sees double standards in Swiss ban

    Newspapers in the Middle East are critical after the Swiss voted in a referendum to ban the building of minarets. Some see it as an extremist or even racist step which highlights apparent double standards in Europe’s respect for human rights. Although some papers say Swiss-Muslim relations might be adversely affected by the ban, a Lebanese daily says it is unlikely to lead to protests like the ones sparked by Danish cartoons.

    For more see BBC

    «Es gibt ein weibliches Ja»

    Es gibt Hinweise, dass vor allem weniger gut gebildete Menschen und viele weibliche Stimmen der Anti-Minarett-Initiative zum Durchbruch an der Urne verholfen haben. Die Wahrnehmung des Islams selbst spielte laut dem Politologen Michael Hermann eine wichtige Rolle.

    Mehr bei NZZ online

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  8. Minarette integrieren!

    by Simon Röthlisberger

    Simon Röthlisberger

    Simon Röthlisberger

    Die Initiative „Gegen den Bau von Minaretten“ will die Ausbreitung und die Sichtbarkeit des Islams unterbinden. Dabei verkennen die rechtskonservativen und evangelikalen Kreise, dass Menschen muslimischer Religion sehr oft schon seit Jahrzehnten hier leben und arbeiten. Sie sind Teil der Gesellschaft. Übrigens sind viele Schweizer Bürgerinnen und Bürger und damit nicht einmal mehr „Ausländer“. Die Frage ist also, wie die Schweiz mit ihrer multireligiösen Wirklichkeit umgeht.

    Die Minarettinitiative ist Ausdruck einer doppelten Diskriminierung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe: Die Mehrheit der Musliminnen und Muslime in der Schweiz kommt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Und es sind genau diese Einwanderer, die seit Jahren mit Vorurteilen konfrontiert werden. Die Initiative ist ein weiterer Akt der Diskriminierung, der das Gegenteil von Integration bewirkt.

    Weshalb hat die Sichtbarkeit muslimischer Glaubensgemeinschaften Einfluss auf die Integration ihrer Mitglieder in der Schweiz? Wer einer Gemeinschaft angehört, die möglichst unsichtbar bleiben muss, der kann sich unmöglich akzeptiert fühlen. Wer nicht akzeptiert wird, kann sich nicht als Teil der Gesellschaft begreifen. Und wer nicht Teil der Gesellschaft ist, ist nicht integriert.

    Religionsgemeinschaften sind einerseits Orte, wo Glaube gelebt wird, andererseits bieten sie ihren Mitgliedern die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen. Solche Netzwerke sind essenziell, um das Leben in der Fremde zu organisieren und beispielsweise Arbeit oder eine Wohnung zu finden.

    Religionsgemeinschaften haben also einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen. Zur Stärkung dieser integrativen Funktion müsste der rechtliche Schutz islamischer Gemeinschaften erweitert werden. Berechtigt ist deshalb die Forderung islamischer Gemeinschaften im Kanton Luzern, eine öffentlich-rechtliche Anerkennung durch den Staat zu erlangen. Je nach Kanton sind auch andere Formen der staatlichen Anerkennung denkbar. Dadurch werden die zivilgesellschaftliche Einbettung, die Transparenz und die demokratischen Funktionsweisen gefördert.

    Die Debatte über die öffentliche Anerkennung von weiteren Religionsgemeinschaften als die Landeskirchen steht erst am Anfang. Die Minarettinitiative zielt hingegen komplett in die Gegenrichtung: Anstatt der Integration wird die Desintegration muslimischer Glaubensgemeinschaften und ihrer Mitglieder als Prinzip in der Bundesverfassung angestrebt. Solche Ausschlussprozesse einer auch zahlenmässig bedeutenden Bevölkerungsgruppe haben negative Auswirkungen auf den Zusammenhalt der gesamten Gesellschaft.

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  9. Dangereux: flirter avec les limites de l’acceptable

    by Kais Fguiri

    Le minaret est un appendice architectural tardif des mosquées. Son but est de fournir un point élevé au muezzin pour les appels à la prière. Il symbolise aussi la présence des croyants musulmans dans un espace social. En Suisse, les minarets restent muets, fruit d’un choix raisonnable des musulmans.

    S’il est bien égal pour la plupart des musulmans établis en Suisse qu’une mosquée possède ou non un minaret, une telle initiative (contre la construction de minarets) les blesse profondément, provoquant même parfois leur colère. Elle procède en effet d’une démarche discriminatoire qui vise les seuls musulmans. Elle touche de plus les personnes au plus profond de leur identité, même si la grande majorité des musulmans en Suisse est peu pratiquante. La blessure provient aussi du fait que l’attaque procède d’un amalgame entre intégristes violents et simples citoyens de confession musulmane.

    Cette campagne haineuse pousse les musulmans aux questions et constats suivants :

    • Si l’initiative contre la construction de minarets n’est pas compatible avec le Pacte international relatif aux droits civils et politiques et qu’elle menace la liberté religieuse et peut-être aussi la paix religieuse dans notre pays, comment a-t-elle pu être présentée à nos concitoyens ?
    • Même si les autorités suisses estiment que l’initiative sera rejetée par le peuple, la campagne agressive menée par les populistes risque de mettre à mal la confiance des musulmans dans ce pays. On pense bien entendu aux dérapages xénophobes tels que l’affiche représentant une femme voilée à côté d’un drapeau suisse transpercé par des minarets et donnant une image de musulmans agressifs et mal intentionnés.
    • La campagne populiste utilise le prétexte des minarets pour apeurer les Suisses, en surfant sur l’émotionnel du moment. Le fond de commerce n’est pas nouveau et vise bien sûr à faire le plein d’électeurs quitte à ostraciser une catégorie de notre population et à affaiblir les droits fondamentaux. Le risque est grand que l’image de la Suisse paie le prix fort d’une démarche irresponsable.

    Malgré cette atmosphère désagréable, les musulmans doivent conserver leur calme et garder à l’esprit que des Suisses et les plus hautes autorités du pays s’opposent à cette initiative jugée contraire aux valeurs fondamentales nationales. Cette initiative résulte de la démocratie directe suisse qui demande l’avis de l’ensemble des citoyens, même sur des propositions qui peuvent flirter parfois avec les limites de l’acceptable. Il est vrai que les subtilités d’un tel système politique est très difficile à expliquer à l’étranger.

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  10. Religion als Staatsangelegenheit

    by Regula Stämpfli

    Regula Stämpfli

    Regula Stämpfli

    Welche Demokratie ist eigentlich in der Schweiz gemeint? Ist es die, deren Rechtsstaat vom Bundespräsidenten in einer Hauruck-Aktion am 18. Februar 2009 zugunsten einer Grossbank an die USA verraten wurde? Ist es die, welche – wiederum vom Bundespräsidenten – gegenüber Libyen mit einem Knebelvertrag eingeschränkt wurde? Ist es die, welche – diesmal von der Justizministerin – den international gesuchten Verbrecher und Künstler Roman Polanski vier Jahre gemütlich in der Schweiz Ferien machen lässt, um ihn dann, per Zufall und geschicktem Timing, nach einem UBS-Deal zwischen der Schweiz und den USA vor laufenden Kameras zu verhaften? Ist es die Demokratie, die bezüglich Religionsfrieden Verfassungsrecht verletzt, um zugunsten eines Religionskampfes Verfassungsrecht zu garantieren?

    Die Schweizer Demokratie und ihr Verfassungsrecht sind offenbar alles andere als präzis. Je nachdem entscheiden Recht oder Macht. Und immer wird formell juristisch argumentiert, selbst wenn ganz offensichtlich politisch gehandelt wird. Da wird das sog. „Volk“ sakrosankt vor jedes internationale und nationale Recht gestellt. Solche politische Unkultur sagt viel aus nicht nur über die herrschenden politischen und medialen Machtverhältnisse, sondern auch über die seltsamen Demokratietheorien an Schweizer Universitäten.

    Nochmals die Fakten: Die Initiative gegen den Bau von Minaretten verstösst klar gegen Art. 72 der schweizerischen Bundesverfassung. In diesem gibt es den Auftrag an Bund und Kantone, alles dafür zu tun, die Wahrung des öffentlichen Friedens zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften aufrechtzuerhalten. Zudem sind religiöse Bauten immer noch Angelegenheit der Kantone – also eine weitere Verletzung des Bundesverfassungsrechts.

    Es ist schleierhaft, weshalb die Bundeskanzlei einen derartigen Initiativtext zugelassen hat. Viel Schlamassel, viel Aufregung, viele Probleme, viele Verletzungen auf allen Seiten hätten dadurch vermieden werden können.

    Der verfassungsrechtliche Schlamassel ist nun aber angerichtet und zeigt grosse politische Folgen. Die Initianten der Minarett-Initiative setzen alles daran, den öffentlichen Frieden zwischen den Religionsgemeinschaften zu gefährden. Präsentiert werden Plakate, deren Bildbotschaft klar ist: Minarett gleich Terrorismus gleich Frauen mit Schleiern. Die Initianten wissen dabei das Verfassungsrecht auf ihrer Seite und pochen auf Meinungsäusserungsfreiheit. Die Kommission gegen Rassismus entscheidet klug und sieht von einem Verbot der Plakate ab, weil dies den Initianten einen Opferstatus verleihen würde, der ihnen in dieser Angelegenheit nicht zusteht. Es obliegt nun den Städten zu entscheiden, wie flächendeckend die Plakate aufgehängt werden sollen. Doch eines ist klar: Die Initianten haben mit ihren Provokationen das höchste Gut in den herrschenden Mediendemokratien erreicht: nationale Aufmerksamkeit. Hoffen wir nur, dass diese nicht auch noch international wird…

    Hätte die schweizerische Elite in den Universitäten, in den Regierungsämtern sowie in den Parlamenten etwas mehr Unrechts- und Rechtsbewusstsein und ein Sensorium dafür, dass eine Demokratie nicht nur auf einer Mehrheit, sondern auch auf dem Rechtsstaat und dem Föderalismus gründet, wären schwarze Schafe, braune Hände auf Schweizerpässen und nun auch Minarett-Raketen undenkbar, mehrheitlich inakzeptabel und schliesslich lächerlich.

    Doch solange sogar auf universitärer Ebene nicht über das Verhältnis von Demokratie, Meinungsäusserungsfreiheit sowie verfassungsrechtlichen und internationalen Verpflichtungen nachgedacht wird, werden solche Initiativen nicht nur zugelassen, sondern mit einigen Chancen eventuell sogar angenommen.

    Das Skandalon in dieser Geschichte sind eben nicht die anstössigen Plakate, sondern die breite mediale Akzeptanz einer derartigen Initiative, derartiger Bilder sowie einer äusserst einfältigen Diskussion über Presse- und Meinungsfreiheit. Zudem fällt auf, dass eine starke, intellektuelle und verfassungsrechtliche Minderheit kaum das Wort ergreift und in den Medien eh nicht präsent ist.

    Religion sowie die Volkstribunen sind so eigentliche Staatsträger geworden. Kein gutes Zeichen für die Demokratie. Doch ein Lichtblick in dieser dunklen Geschichte bleibt: Frank Bodin. Wenn schon die Behörden den Unterschied zwischen Toleranz, Demokratie und Offenheit gegenüber Intoleranz, Tyrannei der Mehrheit und Isolation nicht mehr kennen, ist auf die Werber Verlass. Der Himmel über der Schweiz ist wirklich gross genug:

    plakat

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  11. EKR: Plakate gegen Minarette gefährden öffentlichen Frieden

    Die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus hat auf Begehren mehrerer Städte geprüft, ob diverse Plakate der Befürworter der Anti-Minarett-Initiative gegen das Rassismusverbot verstossen. In ihrer Würdigung kommt die Kommission zum Schluss, dass die Plakate ein Bedrohungsszenario des Islam entwürfen, der die friedliche muslimische Bevölkerung der Schweiz verunglimpfe. Dies könne den sozialen Zusammenhalt und den öffentlichen Frieden gefährden. Eine sorgfältige Güterabwägung zwischen Meinungsfreiheit, Diskriminierungsschutz und dem Schutz der schweizerischen Gesellschaft vor Hass fördernder Agitation sei vorzunehmen, sagt die EKR. Sie geht aber davon aus, dass diese Plakate strafrechtlich gemäss Art. 261bis nicht verboten sind.

    Basel und Lausanne haben den Aushang eines solchen Plakates verboten. Andere Städte werden in den nächsten Tagen entscheiden.

    Stellungnahme der EKR

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  12. Rat der Religionen gegen Minarett-Initiative

    Der Schweizerische Rat der Religionen (SCR) lehnt die Minarett-Initiative entschieden ab. Der SCR setzt auf Integration statt Ausgrenzung. Er ruft dazu auf, die Integration der islamischen Gemeinschaften in der Schweiz mit konkreten Massnahmen aktiv zu fördern.
    Mehr beim SEK

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