Eine für die reformierte Kirche und verschiedene Hilfswerke erstellte Studie zeigt, wie bernische Unternehmen ausländische Arbeitskräfte fördern. Laut Florian Wettstein vom Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen habe die Wirtschaft die soziale Pflicht, die Menschen, die sie als Arbeitskräfte im Ausland rekrutiere, bei der Integration in unserem Land umfassend zu unterstützen.
Der Regierungsrat des Kantons Bern hat im Juni 2012 den Entwurf für ein kantonales Integrationsgesetz verabschiedet. «Eine erfolgreiche Integration von Ausländern trägt zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Kanton Bern bei», schrieb die Regierung. Das Gesetz beruhe auf dem Grundsatz «Fördern und Fordern». Die von der reformierten Kirche und verschiedenen Hilfswerken getragene Migrations-Alliance des Kantons Bern hätte die Unternehmen gerne strenger in die Pflicht genommen, wie Anne-Marie Saxer-Steinlin, Leiterin Fachstelle Migration Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, gestern vor den Medien in Bern ausführte.
Um die Diskussion zu lancieren, hat die Alliance eine Studie in Auftrag gegeben. Studienverfasser Florian Wettstein vom Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen erklärte, die Verantwortung der Unternehmen werde unterschiedlich definiert. Aus rein marktwirtschaftlicher Logik übernehme ein Unternehmen Verantwortung, wenn es erfolgreich arbeite, Arbeitsplätze schaff e und Gewinne erziele. Allerdings würden Umweltschäden häufig vom Markt nicht abgebildet, und die Schere zwischen hohen und tiefen Löhnen habe sich geöffnet. Der Staat wiederum könne zwar gesetzlich Minimalanforderungen erlassen und vorschreiben, was nicht erlaubt sei. Aber aus ethischer Sicht gehe die moralische Verantwortung über Marktwirtschaft und Gesetz hinaus, sagte Professor Wettstein. Die Wirtschaft habe die soziale Pflicht, die Menschen, die sie als Arbeitskräfte im Ausland rekrutiere, bei der Integration in unserem Land umfassend zu unterstützen.
Deutsch im Tibits obligatorisch
Vorbildlich mache dies das Gastrounternehmen Tibits, wie der Journalist Christian Zeier schreibt. Er hat das vegetarische Restaurant in Bern als einen von sechs Betrieben für die Studie porträtiert. Geschäftsführer Roberto Montenegro, ein gebürtiger Peruaner, beschäftigt laut eigenen Angaben 58 Mitarbeitende aus 10 Nationen. Arbeitssprache für alle sei Deutsch, sagte er. Wer neu angestellt werde und nicht deutsch spreche, werde zuerst intern unterrichtet, und auf Wunsch werde auch ein externer Kurs ermöglicht. Wer sich um eine Stelle bewirbt, lernt den Betrieb zuerst an einem Probetag kennen, und die Vorgesetzten lernen ihn oder sie kennen. Nach der Anstellung erhalten die Neuen einen Götti, der sie unterstützt. Weitere positive Beispiel sind laut der Broschüre die Wäscherei Papritz in Rüdtligen-Alchenflüh, die in der Reinigungsbranche tätige Fairness at Work GmbH in Bern, die iPhone-Klinik in Bern, PB Swiss Tools in Wasen sowie der ABC Verlag in Schönbühl.
«In KMU findet Integration statt»
Es gebe aber auch negative Beispiele, sagte Zeier: Unter 40 von ihm kontaktierten Firmenchefs hätten einige gesagt, es sei nicht ihre Aufgabe, die ausländischen Arbeitskräfte zu integrieren. Auf dem Bau sei es zudem üblich, die Arbeitsgruppen nach Nationalitäten zusammenzustellen, weshalb viele Mitarbeitende nach Jahren noch keine Ahnung von der deutschen Sprache hätten. Die ablehnenden Antworten der Unternehmer dürften nicht falsch verstanden werden, sagte Christoph Erb, Direktor Berner KMU: «In kleinen und mittleren Unternehmen wird nicht von Integration gesprochen, Integration findet statt.» Die Wirtschaft lehne aber Vorschriften ab, die nur aufgrund weniger Härtefälle erlassen würden und die schwer durchsetzbar seien. Woran sollte gemessen werden, ob ein KMU seine Integrationspflicht erfüllt habe: «Würde beispielsweise eine Information am Anschlagbrett mit Integrationsgrundsätzen genügen? Müssen die obligatorischen Sprach- und Integrationskurse als Arbeitszeit angerechnet werden?», fragte Erb. Zudem warnte er, Unternehmer liessen sich nicht gerne schulmeistern und sie möchten keine langen Studien lesen. Aber er prüfe, auf der Internetseite der Berner KMU vermehrt über Integration zu informieren.
Quelle: Der Bund
Download Studie: Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn
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