Simone Prodolliet
Wer in der Integrationsarbeit tätig ist, hebt immer wieder die Bedeutung der Information hervor. Das ist richtig so. Denn gute Informationen erleichtern die Integration und ermöglichen Zugänge zu den zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen, soziale Sicherheit oder Wohnungswesen.
Der Informationsauftrag der Behörden sieht sich vor die Herausforderung gestellt, die Gesamtheit der in der Schweiz wohnhaften Bevölkerung zu erreichen. Aus Sicht der Integrationspolitik stellt sich immer wieder die Frage, wie man insbesondere an die Zielgruppe der Migrantinnen und Migranten gelangen kann. In wie viele und in welche Sprachen müssen Broschüren übersetzt werden? Sollen besondere Mittel kreiert oder spezifische Kanäle benutzt werden, damit die Diffusion von Information an Zugewanderte sicher gestellt wird? Ist der Einsatz von Schlüsselpersonen angezeigt oder müsste man die Zusammenarbeit mit Organisationen von Migranten ins Auge fassen?
Solche und ähnliche Fragen wird man sicherlich auch in Zukunft beantworten und je nach zu vermittelnder Botschaft jeweils neu diskutieren müssen. Einen Aspekt kann man jedoch gesorgt geben: Migrantinnen und Migranten verhalten sich in ihrer Informationsbeschaffung nicht anders als Einheimische. Oder umgekehrt: Schweizer ticken gleich wie ausländische Staatsangehörige.
Die Studie «Wege zu einer besseren Kommunikation. Kooperation mit Netzwerken von Zugewanderten» kommt zu diesem überraschenden Ergebnis. Ausländer und Schweizer unterscheiden sich in ihrem Vorgehen nicht, wenn sie eine Arbeit oder Wohnung suchen, ein gesundheitliches Problem haben oder einen juristischen Rat brauchen. Die repräsentative Befragung von je 300 Schweizern (ohne Migrationshintergrund!), Albanisch-Sprechenden und Türkinnen und Türken ergab, dass zunächst das persönliche Umfeld, das heisst Familienangehörige oder der engere Freundeskreis sowie Fachpersonen wie Apotheker, Hausärztinnen und Anwälte kontaktiert werden. Eine wichtige Informationsquelle ist zudem das Internet. Erst in zweiter Linie werden spezialisierte Stellen aufgesucht. Die angegebenen Informationskanäle der befragten Migrationsgruppen zeigte ausserdem deutlich, dass Organisationen von Zugewanderten sowie Interessenvereinigungen für die Vermittlung von Information zwar eine Rolle spielen, jedoch nicht den hohen Stellenwert haben, den man annehmen könnte.
Entgegen der ursprünglichen Vermutung, dass für die Migrationsbevölkerung besondere Informationskanäle geschaffen werden müssten, führen uns die Resultate der Studie zur Schlussfolgerung, dass für die Verbreitung von Informationen an Migrantinnen und Migranten ebenso differenziert vorgegangen werden muss wie für die Mehrheit der Bevölkerung. Es gilt daher, in Zukunft nicht nur spezifisches Informationsmaterial für ausgewählte Bevölkerungsgruppen aufzubereiten oder partnerschaftliche Kooperationen mit Organisationen von Zugewanderten einzugehen. Ebenso sehr müssen die bisher unterschätzten persönlichen Netzwerke und die bislang wenig beachtete Rolle von Fachpersonen in die Ausgestaltung einer für alle Bevölkerungsteile adäquaten Informationspolitik berücksichtigt werden.
Meinungen / Opinions
Criminels – étrangers – intégration: un lien discutable
Kein Sozialversicherungs-
abkommen mit dem Kosovo mehr
Dangereux: flirter avec les limites de l’acceptable
Religion als Staatsangelegenheit
Ausländische Staatsangehörige ticken gleich wie Schweizer
Sport oder Religion? Eine unzulässige Frage
Bei diesen Beiträgen handelt es sich um persönliche Meinungen der Autorinnen und Autoren. Sie müssen mit der Meinung der EKM nicht übereinstimmen.
Ces contributions sont des opinions personnelles des auteurs. Elles ne doivent pas correspondre à l'opinion de la CFM.
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